Ich chatte extrem viel.Wirklich viel. Und das obwohl ich es eigentlich gar nicht mag.
Du hast eine vorgeschriebene Zahl von Zeichen, die du nicht überschreiten kannst. Für jemanden wie mich, der lieber Wasserfälle schreibt als plappert ist das ein großes Problem. Manche Sachen lassen sich nicht in 300, geschweige denn in 140 Zeichen sagen. Manche Dinge könnte ich bestimmt in 1000 Zeichen nicht ansatzweise erklären.
Außerdem ist chatten unglaublich schnell. Jeder erwartet, dass du innerhalb von Sekunden antwortest und wenn du das nicht tust, haben sie gleich das Gefühl, dass du sie ignorierst. Das könnte mich in den Wahnsinn treiben. Wenn ich schonmal die Zeit habe, mir zu überlegen, was ich eigentlich rüberbringen will mit dem, was ich sage (was ja beim Reden oft nicht der Fall ist), nehme ich mir diese Zeit auch gerne, weil so viele Nuancen (und auch Mimik und Gestik) beim Schreiben verloren gehen, die man beim Sprechen verwenden kann. Und meistens chatte ich auch nicht nur, wenn ich am Computer sitze sondern mache nebenbei noch irgendwas anderes, was auch meine Aufmerksamkeit fordert. Und sei es nur, dass ich mal ein Lied hören möchte, ohne durch ein nerviges 'Ping' genervt zu werden. Aber ich muss zugeben, dass ich auch schnelle Antworten erwarte. Besonders bei Leuten von denen ich normalerweise immer schnell Antworten bekomme.
Das Verlorengehen von Nuanchen, das ich ja eben schon angesprochen habe, nervt mich auch ungemein. Ich bin von Natur aus sehr sarkastisch und das kann man in Textform meistens nicht vernünftig rüberbringen. Dann kommt es oft zu irgendwelchen blöden Missverständnissen (lustig sind diese Missverständnisse nur, wenn sie face-to-face passieren, weil ich dann einfach den Kopf schütteln kann).
Das letzte, was mich am Chatten wirklich stört sind die Abkürzungen. Ich benutze auch Abkürzungen - wie soll man auch sonst möglichst viel in 300 Zeichen quetschen? - aber ich finde sie im Allgemeinen einfach nur hässlich. Sie machen die Sprache und den Lesefluss kaputt (und irgendwann gehen sie in die gesprochene Sprache über, aber das ist hier gerade nicht Thema) und stiften manchmal mehr Verwirrung als alles andere. Im selben Atemzug sollte ich vielleicht auch noch die Smileys nennen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass man in irgendeiner Weise verpflichtet ist, mindestens einen Smiley pro Aussage zu machen, ob er nun besonders gut passt oder nicht. Smileys können witzig sein, Smileys können die Aussage unterstreichen, aber sie sind verdammt nochmal keine Herdentiere.
Natürlich hat Chatten auch seine positiven Seiten (obviously, sonst würde ich es nicht machen). Du kannst mit Leuten in Kontakt bleiben, die weit weg wohnen und/oder die du vielleicht noch nie gesehen hast. Man kann Informationen schneller verbreiten als wenn man sich erst persönlich treffen müsste. Man kann es nebenbei machen. Man kann sich hinter der Maske der Anonymität verstecken. Es passt einfach zum modernen Zeitalter.
Fallen euch noch negative Aspekte vom Chatten ein? Oder vielleicht auch positive?
LG Riska
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